Babys im Museum – Museen erschließen sich neue Zielgruppen

Dieser Tweet des norwegischen Kunstmuseum Vigeland Museum weckte sofort meine Neugier. Dort wird ganz nebenbei auf eine „Babyführung“ durchs Museum hingewiesen.

Eine traditionell eher übersehene Zielgruppe

Wie, Babyführung? Spontan fällt mir ein, dass in manchen deutschen Museen Kinderwagen aus Platznot oder der Putzfrau zuliebe immer noch draußen bleiben müssen, dass Wickeltische oft (noch) nicht vorhanden sind und dass sich Besucher nach schreienden Kleinkindern eher genervt umsehen (Erfahrungsbericht bei Caroline Gabbert). Dass es auch fortschrittlicher geht, habe ich in meinem Blogpost über das museumspädagogische Programm des dänischen Nationalmuseums schon angesprochen. Das Vigeland Museum antwortete auf Nachfrage sofort, ich solle einfach das Baby einpacken, den Kinderwagen mitbringen und um 13 Uhr im Museum sein. Da ich nicht in Oslo wohne, wurde daraus nichts – aber die Idee finde ich klasse. Denn so erschließen sich Museen Zielgruppen (Eltern in Babypause!), die tagsüber Zeit haben, sich manchmal gar dringend nach Ablenkung sehen, aber aus oben genannten Gründen trotzdem nicht so oft ins Museum kommen.

Baby_Museum

Baby trifft Kunst – in Norwegen keine Seltenheit

Eine kurze Google-Suche ergab, dass es das Konzept in Skandinavien schon seit mindestens 2010 gibt und Babyführungen in Norwegen inzwischen zum festen Museumsprogramm zu gehören scheinen. – Nicht nur im Vigeland Museum. Das Stavanger Museum bietet seit 2012 spezielle Führungen für Eltern und Kleinkinder und verleiht sogar museumseigene Babytragen, damit das Kind hautnah und auf Augenhöhe dabei sein kann. Einmal im Monat lädt das Haugar Vestfold Kunstmuseum Eltern mit Babys zu speziellen Führungen ein, im Munch Museum heißt das Angebot passenderweise „BabySkrik“ (Babyschrei).

Eine Idee, die Schule macht

Offenbar gibt es eine große Nachfrage nach dem Kulturbesuch mit Kleinkind. Das dänische Kunstmuseum Kunsten in Aalborg verbindet seine Babyführungen mit dem Angebot, Hand- und Fußabdrücke der Kleinen machen zu lassen. Eine staatlich autorisierte „Gesundheitsschwester“ steht zur Beratung im Museumscafé (wo natürlich eine Krabbelecke eingerichtet wird) bereit. Im Kunstmuseum Louisiana bei Kopenhagen gibt es im Anschluss an die Führung „Louisiana Mini“ Tipps, wie auch später Museumsbesuche mit Kindern gelingen. Die österreichische Galerie Belvedere bietet zu Führungen mit Babys außer Wickeltischen auch Flaschenwärmer an. Inzwischen ziehen auch die ersten deutschen Museen nach. Das Museum Fluxus + in Potsdam bietet beispielsweise Führungen für frisch gebackene Eltern an.

Erfahrungsberichte über Museumsbesuche mit Kindern gibt es z.B. bei

– Tanja Praske in der Serie Kinder, Museum und Kultur
– Jenni Fuchs unter der Rubrik Kids in Museums
– Caroline Gabbert im Blog Sammeln | Horten | Ordnen

(Beitrag vom 6. November 2013)


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