Wie twittern die skandinavischen Museen?

Skandinaviske museer på Twitter

So oft wie Skandinavien in Sachen Web und Innovationen als gutes Beispiel angeführt wird, ging ich davon aus, dass skandinavische Museen soziale Medien als tägliches Instrument zur Kommunikation mit museumsinteressierten, potentiellen Besuchern nutzen – und das tun sie auch. Mein subjektives, positives Vorurteil ist, dass der digitale Fortschritt in Skandinavien immer ein bisschen eher ankommt als in Deutschland. Ich habe versucht, etwas fundierter an die Sache heranzugehen und habe mir angeschaut, wie und wie viele skandinavische Museen Twitter nutzen.

Achtung! Dies ist keine wissenschaftliche Studie – die Zahlen konnte ich unter den ersten zehn Suchergebnissen finden und ich garantiere nicht für deren Richtigkeit. Ich will versuchen, eine Tendenz zu erkennen. Die Schwachpunkte meiner Zahlen liegen hier: Was zählt als Museum? Ich habe viele verschiedene Angaben zur Anzahl der Museen in den einzelnen Ländern gefunden, und mich entschieden, immer die höchste zu wählen – genau wie meine Listen über twitternde Museen auch alles enthält, was einem Museum nur im Entferntesten ähnelt und dabei noch twittert.

1. Ergebnis: Das Vorurteil stimmt, es scheinen wirklich mehr skandinavische Museen Twitter zu nutzen als deutsche. Wenn meine Zahlen nur ansatzweise stimmen, nutzen noch immer nur rund 4 Prozent der deutsche Museen Twitter, während dies etwa 14 Prozent der schwedischen, 12 Prozent der dänischen und vielleicht 8 Prozent der norwegischen tun. Weil es so schwer war, verlässliche Zahlen über die Anzahl von Museen in den einzelnen Ländern zu finden, kann dieses Ergebnis nur als Orientierung gelten. Dazu spielen weitere Faktoren eine Rolle, z. B. ob mehrere kleinere Museen unter einem Dach vereint werden (wie z.B. im dänischen Nationalmuseum) oder ob alle als selbstständige Museen gelistet werden.

2. Ergebnis: Während viele deutsche Museen Twitter als Werkzeug zur Kommunikation mit ihrer Zielgruppe und anderen Museen gerade erst entdecken, sind norwegische Museen auf Twitter schon solide etabliert, sehr aktiv und haben viele Followers. Ein Teil der dänischen Museen dagegen scheint bereits begonnen zu haben, Twitter wieder zu verlassen. – Vielleicht zum Vorteil von Facebook, das Dänen wie kaum ein anderes Volk nutzen – aber das ist eine andere Studie.

Hier kommen die detaillierten Ergebnisse für die einzelnen Länder:

SCHWEDEN:

Fotografiske på Twitter 

Ich konnte 63 schwedische Museen auf Twitter entdecken. Davon haben 41, sprich 65 Prozent, in den letzten 7 Tagen Tweets versendet. Wie man auf der Website von Nättidningen Svensk Historia sehen kann, gibt es viele schwedische Museen, die über 500 oder sogar über 1000 Followers haben. Die Liste wird angeführt von Fotografiska (@Fotografiska) mit derzeit 8441 Followers, Moderna Museet (@ModernaMuseet) mit 6230 und Moderna Museet Malmö (@Moderna_Malmo) mit 2632 Followers.

DÄNEMARK:

Nationalmuseet på Twitter

Von den 34 dänischen Museen mit Twitter-Profil, waren in den letzten 7 Tagen 16 aktiv, das sind rund 47 Prozent. Gute Twitter-Arbeit (meiner Meinung nach: regelmäßige Tweets und Interaktion mit anderen) machen das Nationalmuseum (@nationalmuseet), das medizinhistorische Museum Medical Museion (@medicalmuseion), das Freilichtmuseum Den Gamle By (@den_gamle_by), das Kunstmuseum Statens Museum for Kunst (@StatensMuseum) und Økolariet (@okolariet). Die meisten Followers hat ebenfalls das Nationalmusum (2361), Statens Museum for Kunst (1193), GL Strand (@GLSTRAND_Kunst, 804), Louisiana (@LouisianaChann, 926) und die Staatsbibliothek Den sorte diamant (@sortediamant, 677), die auch regelmäßig Sonderausstellungen zeigt. Die meisten anderen Museen haben nicht über 100 Followers. Interessanterweise sind auch nicht alle der oben genannten Museen regelmäßig aktiv. Amüsant – oder traurig -sind auch die 50 Followers des großen Kopenhagener Kunstmuseums Ny Carlsberg Glyptotek (@glyptoteket), die immer noch auf den ersten Tweet warten.

NORWEGEN

Astrup Fearnley Museet på Twitter

Von den 42 norwegischen Museen, die ich auf Twitter finden konnte, waren 28 in den letzten 7 Tagen aktiv. Das sind 67 Prozent. Mehrere norwegische Museen haben viele Followers, die meisten über 100. Am populärsten ist das Astrup Fearnley Museum (@astrupfearnley) mit 7901 Followers, danach folgt das Nationalmuseum (@nasjonalmuseet, 5299) und das Munch Museum (@themunchmuseum, 4062). Aber wie man auf der Website Ballrommet auf einer Liste vom Januar 2013 sehen kann, haben gleich mehrere norwegische Museen über 1000 Followers. Das deutet darauf hin, dass die 4,5 Millionen Norweger sehr fleißige Twitterer sind.

Museen auf Twitter in Zahlen:

Land / Anzahl Museen (cirka) /  Museen auf Twitter / in %

Schweden / 390 Museen, 67 Schlösser & Höfe / 63 / 16 %, 14 %
(Links: http://archives.icom.museum/vlmp/sweden.html)

Dänemark / 149 staatl. gefördert, 281 insges. / 34 / 12 %
(Links: Den Store Danske; Statistikbanken)

Norwegen / 181 im Museumsverbund, 511 insges. / 42 / 23 %, 8 %
(Links: Mitglieder des Museumsforbund; Wikipedia; http://www.ssb.no/a/publikasjoner/pdf/notat_200176/notat_200176.pdf (200))

Deutschland / über 6000 / 240 / 4 %
(Links: Museumsbund)

Twitter-Listen:

Folgen Sie den Museen auf Twitter, indem Sie gleich der ganzen Liste oder nur einzelnen Museen folgen:

Schwedische Museen auf Twitter

Dänische Museen auf Twitter

Norwegische Museen auf Twitter

Deutsche Museen auf Twitter (von @visitatio)

Kennen Sie noch weitere Museen oder wissenschaftlichere Studien zum Thema, hinterlassen Sie gerne einen Kommentar oder kontaktieren Sie mich auf Twitter @MH_TextWeb.

Stand: 26. Mai 2013


Kommentare

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