Kann man die Followerpower in den sozialen Medien für Recherchezwecke nutzen?

Followerpower

Ich kenne Leute, die mobilisieren ihre Facebook-Community für alles mögliche: zur Suche von geeigneten Interviewpartnern, Illustratoren, Experten aller Art. Keine Frage, auch Museen können sich dieses Netzwerk – und bei weitem nicht nur auf Facebook! – zu Nutze machen.

Je nach Spezialgebiet des Hauses könnte man die Massen an kulturinteressierten Menschen, die einem folgen, zu Hilfe rufen bei der Suche nach für die Sammlung relevanten Gegenständen (Ansichten, Postkarten, historische Alltagsgegenstände, …) oder um Inspiration bei ungeklärter Pro­ve­ni­enz bitten („Ist jemanden irgendwo schon einmal ein ähnliches Schnitzwerk wie das in der Burgkirche Posterstein aufgefallen?“).

Für den Katalog zur Sonderausstellung "Salongeschichten" wurde eine Abbildung von Emilie von Binzer gesucht.

Für den Katalog zur Sonderausstellung „Salongeschichten“ wurde eine Abbildung von Emilie von Binzer gesucht.

Kleines Experiment – erfolgreich und ausbaufähig

Ich wollte das ausprobieren und habe bei der Arbeit für das neue Buch „Salongeschichten: Paris – Löbichau – Wien“ des Museums Burg Posterstein die #FollowerPower der Twitter-Verfolger des Museums in Anspruch genommen.

Im erwähnten Katalog zeigt das Museum erstmals eine verloren geglaubte Sammlung humoristischer Portraits von Gästen am Musenhof Löbichau der Herzogin von Kurland aus den Jahren 1819/20. Die Sammlung mit insgesamt 47 Zeichnungen befand sich ursprünglich im Besitz von Emilie von Binzer, Biedermeier-Schriftstellerin und Enkelin der Herzogin von Kurland. Leider lagen dem Museum Burg Posterstein keine Portraits von Emilie von Binzer vor und erste Anfragen in verschiedenen Archiven und Museen waren erfolglos geblieben.

Auf Twitter fragten wir:

Die Twittergemeinde zeigte sich spontan sehr hilfsbereit und es wurde retweetet und kommentiert. Alle Reaktionen gibt es hier noch einmal als Storify.

Von der Abbildung auf Wikipedia ließen wir nicht nur wegen der eingeschränkten Druckbarkeit die Finger, sondern auch, weil die Bildrechte trotz CC-Lizenz unsicher schienen. Nach einigen Hinweisen auf weitere Recherchemöglichkeiten und erneuten Anfragen an verschiedene Archive, erhielt das Museum vom Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich (ein Tipp vom Bayerischen Jazzinstitut – Danke!) tatsächlich ein Foto von Emilie von Binzer, das im Katalog verwendet werden durfte. Parallel dazu brachte eine Anfrage im Literaturmuseum Altaussee Erfolg: Das Museum stellte weitere Fotografien von Emilie von Binzer und ihrer Familie zur Verfügung.

Herzlichen Dank nach Linz und Altaussee und an alle Unterstützer, die durch einen Tweet spontan recherchiert, überlegt und Tipps gegeben haben! Ich werde das Recherche-Potential von sozialen Medien bei der nächsten Gelegenheit sicherlich wieder nutzen, vielleicht noch intensiver und hartnäckiger als durch 1-2 Tweets und auch in anderen Netzwerken.

Wer von euch hat mit solcher Recherche schon Erfahrungen gemacht?


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