Bloggende Museen & Archive: Warum Bloggen keine Zeitverschwendung sein muss

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Anlässlich ihres zweiten Blog-Jubiläums rufen die Archive im Kreis Siegen-Wittgenstein derzeit zu einer Blogparade auf: Gefragt sind Ideen rund um die Frage, wieso Archive überhaupt bloggen sollten. Ich möchte mich hier der Blogparade anschließen, die Diskussion aber gleichzeitig etwas breiter führen, weil ich finde, dass die gleichen Pro-Blog-Gründe auch für Museen und Galerien gelten.

Während des Workshops eCult EVENT im January 2014 in Hamburg (eine Zusammenfassung von WWecker gibt es hier) führte ich spannende Twitter-Diskussionen mit @WWecker, @nat_merkel und @Blickeinsatz. – In diesem Beitrag möchte ich ein paar Zitate daraus zur Illustration verwenden.

Öffnet die Archive für ein digitales Publikum!

In den Weiten des Internets gibt es viele interessante, von Museen und Archiven geschriebene und / oder herausgegebene Blogs. Einige geben einen Blick hinter die Kulissen und erzählen von der täglichen Arbeit der jeweiligen Einrichtung, wie der Blog des dänischen Freilichtmuseums Den Gamle By, der in einem Post beispielsweise die Tricks und Tücken der Reinigung eines historischen Leuchters beschreibt.

Andere Blogs bewerben vor allem die neusten Nachrichten, Ausstellungen und Veranstaltungen des Museums – wie zum Beispiel das Grassi Museum Leipzig und auch die Archive im Kreis Siegen-Wittgenstein. Besonders gelungen finde ich darunter Interviews mit Künstlern und Background-Stories (z.B. bei Kunsthalle Bremen).

Wieder andere Blogs widmen sich vor allem zeitlosen historischen Geschichten, gespeist aus den Tiefen der Archive und Sammlungen und parallel zu aktuellen Forschungsprojekten (wie zum Beispiel der Blog des Thüringer Museums Burg Posterstein).

Manchmal empfiehlt es sich für Langzeitprojekte, wie eine größere Ausstellung, Restaurierungs- oder archäologische Grabungsarbeiten, einen separaten Blog zu starten, wie es das dänische Moesgaard Museum für eine Grabung getan hat – allerdings stammt der letzte Post hier vom Mai 2011. – Meiner Meinung nach sollte man in Erwägung ziehen, solche „Projektblogs“ in anderer Form weiterzuführen oder von Anfang an auf der Hauptblogseite zu integrieren, um die mühevoll aufgebaute Leserschar nicht zu verlieren und zu enttäuschen.

Bloggen im Namen von historischen Persönlichkeiten

Ein ganz anderer Ansatz ist es, Blog-Geschichten aus der Sicht einer (eventuell fiktiven) historischen Person zu erzählen. Ein schönes Beispiel ist der Blog des dänischen Nationalmuseums, in dem ein Küchenmädchen in Briefen an ihre Mutter aus ihrem täglichen Leben erzählt und ab und an auch historische Rezepte beilegt.

In Altenburg wird das Thüringer Themenjahr Reformation und Politik mit zwei Ausstellungen, einer App und einem Blog für den Reformator Georg Spalatin begangen.

In Altenburg wird das Thüringer Themenjahr Reformation und Politik mit zwei Ausstellungen, einer App und einem Blog für den Reformator Georg Spalatin begangen.

Das Stadtarchiv Speyer veröffentlichte 2012 Zitate und Handschriften des Bauern Johann Michael Beutelspacher aus der Zeit von 1795 bis 1821 in einem separaten Blog, die das Leben der normalen Leute dieser Zeit authentisch illustrieren.

In Altenburg, wo 2014 gleich zwei Ausstellungen über Reformation und Politik eröffnet werden, begleitet den Ausstellungsprozess ein von Martin Luthers gutem Freund Georg Spalatin „geschriebener“ Blog (samt Facebook-Seite). Derzeit starten die Archive in Speyer einen Projektblog „Erinnern in Speyer 1933-1945“, der eine Veranstaltungsreihe begleiten soll.

Warum bloggen?

Screenshot des Küchenmädchen-Blogs des dänischen Nationalmuseums, das in ihren Briefen ihr Leben im Jahr 1914 schildert - das Jahr, in dem der erste Weltkrieg ausbrach.

Screenshot des Küchenmädchen-Blogs des dänischen Nationalmuseums, das in ihren Briefen ihr Leben im Jahr 1914 schildert – das Jahr, in dem der erste Weltkrieg ausbrach.

Zwei der Hauptaufgaben von Museen und Archiven sind zu Bewahren und Wissen zu Vermitteln – wer hat gesagt, dass das nur offline gilt? Mit Hilfe von Blogs können Museen und Archive ein breiteres Publikum ansprechen und mit diesem ihr historisches Wissen und die Schätze ihrer Sammlungen teilen.

Gleichzeitig besteht die Chance, durch Blogs (und soziale Medien) auch mehr „Offline-Besucher“ zu verzeichnen und mehr Kataloge und Bücher über das Internet zu verkaufen, wie das Museum Burg Posterstein erst kürzlich in einem Interview feststellte. Die Archive in Speyer haben nach eigenen Angaben die Erfahrung gemacht, dass projektspezifische Blogs von Lokaljournalisten dankbar angenommen werden und zu intensiverer Berichterstattung führen.

Viele gute Gründe für Museen im Internet aktiv zu sein gibt auch der Hamburger Kulturexperte Sebastian Hartmann in seinem Blog „Museum & Social Media“.

Grundvoraussetzungen: Konzept und Stil

Wenn Archive und Museen einen Blog ins Leben rufen wollen, ist es zunächst wichtig ein konkretes Konzept zu erstellen und zu wissen, welche Zielgruppe der Blog ansprechen soll. Man sollte das inhaltliche Profil klar umranden bzw. die Artikel wenigstens in gut abgetrennte Kategorien einteilen (z.B. News, Geschichte, Ausstellungen, …). Blog-Artikel sollten ansprechend geschrieben sein – eher journalistisch als wissenschaftlich – und interessante Geschichten erzählen. Darüber hinaus ist es eine gute Idee, die Leserschaft wissen zu lassen, wer eigentlich schreibt (vorbildlich gelöst wurde das vom Historisches Museum Frankfurt). Falls möglich, sollte der Blog direkt auf der Website des Museums oder des Archivs gehostet sein, um größere Besucherzahlen zu erhalten. Falls dies nicht möglich ist, sollte man wenigstens deutliche Links vom Blog zur Hauptwebsite und umgekehrt setzen.

Das wichtigste zum Schluss: Es muss kommuniziert werden! Blogs sind keine einseitigen Werbekanäle. Antworten auf Kommentare sollten schnell kommen, auf Diskussionen mit Lesern sollte man sich einlassen und man kann erwägen an Blog-Aktionen wie Blogparaden, Blogstöckchen, etc. teilzunehmen und sich mit anderen Bloggern vernetzen.

Listen über Museums- und Archivblogs:

Deutsche Museumsblogs sammelt die Münchner Kulturexpertin Tanja Praske ihrem Blog Kultur – Museo – Talk

Eine Liste mit dänischen Museumsblogs gibt es in „Martins Museumsblog“

Eine Liste über Archivblogs ist mir leider nicht bekannt. Deshalb habe ich begonnen auf Twitter eine eigene Liste über bloggende Museen, Archive und Bibliotheken zu erstellen

Bitte hinterlasst einen Kommentar, wenn euch weitere gute Listen bekannt sind!

(Stand: 27. Januar 2014)
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On the occasion of the two-year’s birthday of their blog the German archives in the county of Siegen-Wittgenstein started a so-called „blog-parade“ and asked other bloggers to come with their ideas why archives should write blogs. I want to discuss the subject a bit broader, because I think the same reasons apply to museums and galleries, too.

During the workshop eCult workshop in January 2014 in Hamburg I had interesting Twitter discussions with @WWecker, @nat_merkel and @Blickeinsatz. – Here I want to use some quotes to illustrate my points.

Opening the archives for a digital audience

There are many interesting blogs, written and / or published by museums and archives out there. I have seen blogs that tell work-related stories from behind the scenes (like the Danish open air museum Den Gamle By’s blog, where you for example can read about the work behind cleaning old candelabra).

At the same time there are blogs that mainly promote the museum’s or archive’s latest news, exhibitions and events (e.g. Grassi Museum Leipzig and also archives in the county of Siegen-Wittgenstein). Especially I like those doing interviews with artists and background stories, e.g. German Kunsthalle Bremen.

Other blogs mainly focus on timeless historical stories, related to research work and collection (e.g. German Museum Burg Posterstein).

Sometimes it can be good to start a separate blog on a long-term museum project, like an archaeological excavation (seen at Danish Moesgaard Museum, the last post dates may 2011). – However, I think such „project blogs“ should be continued in other ways after finishing the long-term project, instead of just dropping the readers (and all the work which probably was needed to establish the blog).

Blogging in the name of historical persons

Another approach is to tell stories from the past through the voice of a (possibly fictive) historical person – seen at the Danish Nationalmuseum in Copenhagen, where a scullery-maid describes her daily life in letters to her mother; and from time to time she adds historical recipes as well.

In Altenburg wird das Thüringer Themenjahr Reformation und Politik mit zwei Ausstellungen, einer App und einem Blog für den Reformator Georg Spalatin begangen.

In German Altenburg a blog, written by Luther’s good friend Spalatin, accompanies two exhibitions on reformation and politics.

The town archive in German Speyer published in 2012 original hand-written pages from the farmer Johann Michael Beutelspacher 1795-1821, which authentically illustrate normal people’s daily life in this time.

In German Altenburg 2014 two exhibitions on the reformation and politics are going to be accompanied by a blog, „written“ by Martin Luther’s good friend Georg Spalatin (accompanied by a Facebook page). The archives in Speyer are starting a blog „Erinnern in Speyer 1933-1945“ right now, that accompanies a series of events.

Why blogging?

Screenshot des Küchenmädchen-Blogs des dänischen Nationalmuseums, das in ihren Briefen ihr Leben im Jahr 1914 schildert - das Jahr, in dem der erste Weltkrieg ausbrach.

Screenshot of the blog of Danish National Museum, where a scullery maid writes fictive letters in the year 1914 – the year, where World War I started..

Two of the main functions of museums and archives is to conserve and share knowledge. Who says, that this has to be exclusively offline? With the help of blogs, museums and archives can get a broader audience and share their knowledge on history. At the same time, there is a chance to generate more „offline“ visitors, as well, and to sell more catalogues and books via internet (as Museum Burg Posterstein lately pointed out in an interview). The archive of Speyer has good experiences with getting more attention of local newspapers through their blog.

Many good reasons for museums to be active in the WWW gives Sebastian Hartmann in his blog „Museum & Social Media“ (in German).

Have a concept, have a style

When archives or museums want to start blogging, it is important to have a concrete concept and to know, what to write about to which audience. Probably it would be good to focus on specific subjects or give them different categories (e.g. news, history, exhibitions, …). Blog posts should be nicely – rather journalistically than scientifically – written and telling interesting stories. Furthermore I think it is important to tell the audience, who actually is blogging (a good example: Historisches Museum Frankfurt). If you can, host the blog on the museum’s or archive’s webpage to generate more traffic. If this is not possible, remember to link clearly to the web page.

And last but not least: Communicate! Blogs should not be seen as one-way-channels. That is why it is important to answer comments quickly, discuss posts in social media channels and eventually take part in blog actions like blog parades.

Good lists over museum blogs:

German museum blogs: Kultur – Museo – Talk
Danish museum blogs: Martins Museumsblog

I didn’t find lists of archive blogs, so I started my own list with blogging museums, archives and libraries on Twitter

Please leave a comment if you know some more lists!

(last edited: January 27th 2014)


Kommentare

Bloggende Museen & Archive: Warum Bloggen keine Zeitverschwendung sein muss — 6 Kommentare

  1. Pingback: Bloggen für Kulturbetriebe? | Kultur. Sozial. Medial.

  2. Pingback: Vom Ende einer Blogparade | siwiarchiv.de

  3. Pingback: Bloggen im Archiv - warum und worüber?

  4. Vielen Dank für diese Beitrag zu unserer Blogparade! In der Tat können Archive in der Nutzung von Blogs von Museen lernen, die schon viel früher in den sozialen Medien aktiv waren – und auch bereit sind dort zu investieren.
    Nachrichten zur archivischen Weblogs findet am ehesten auf Archivalia – archiv.twoday.net/ – oder auf Archive 2.0 – http://archive20.hypotheses.org/ .

    • Danke für die Links, in das Thema Archive muss ich mich bei Gelegenheit noch tiefer online einlesen. Aber auch da scheint es ja einige online sehr aktive Vertreter zu geben, Siwiarchiv eingeschlossen.

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